Wir sind Cupsieger!

Drama. Zeitstrafenflut. Emotionen. Und am Ende jubelt die SG Wohlen Mutschellen über den Titel im Regio-Cup. Das Spiel gegen Olten II in der Murianer Bachmattenhalle war nichts für schwache Nerven – jedoch beste Werbung für den Handballsport im Freiamt. --red

Handball, Regio-Cup, Final: SG Wohlen Mutschellen – SG HV Olten II 29:27 (16:13) – Freiämter sind Cupsieger

Die SG Wohlen Mutschellen feiert ihren ersten grossen Erfolg in dieser Zusammensetzung. Am Wochenende gewinnen die Freiämter sowohl Halbfinal als auch Final im Regio-Cup Aargau Plus. Besonders im Final durchlebt das Team einen Krimi. Die Mannschaft behält aber die Nerven.

Josip Lasic, Wohler Anzeiger

Der Jubel ist riesig in der Bachmattenhalle in Muri, als die Schlusssirene im Final des Regio-Cups ertönt. Zum Abschluss der Cupfinal-Tage in Muri wird den Zuschauern noch ein Krimi präsentiert. Aus Freiämter Sicht einer mit Happy End. Die SG Wohlen Mutschellen gewinnt. Zwei Tage, zwei Spiele und ein hartes Stück Arbeit standen zwischen der Mannschaft und dem Titel.

Im Halbfinal taten sich die Freiämter gegen die Drittligisten der SG Aarburg/Oftringen/Rothrist schwer und lagen zur Pause noch mit 14:17 zurück, um am Ende mit 32:28 zu gewinnen. Im Final sieht die Ausgangslage nach den ersten 30 Minuten deutlich besser aus. Das Team von Trainer Andjelko «Alex» Milosevic führt mit 16:13. Zehn Minuten nach Wiederanpfiff baut es den Vorsprung auf fünf Tore aus – und muss dennoch zittern. Zahlreiche Zeitstrafen limitieren die Freiämter und sorgen dafür, dass Olten zwischenzeitlich mehrfach bis an ein Tor herankommt. Insgesamt elf Zwei-Minuten-Strafen gehen auf das Konto der SG Wohlen Mutschellen. «Umgerechnet ist das fast eine komplette Halbzeit in Unterzahl. Gemessen an diesen erschwerten Bedingungen kann ich dem Team nur ein Riesenkompliment machen», sagt Milosevic. «Sie haben bis zuletzt gekämpft und sich den Erfolg verdient.»

Wechselfehler geben zu reden

Die hohe Anzahl an Zeitstrafen kam unter anderem durch Wechselfehler bei den Freiämtern zustande. Gleich dreimal kassiert Milosevics Team deswegen eine Strafe. «Das sind zwei zu viel. Einmal pro Spiel ist tolerierbar, aber nicht dreimal. Dazu muss ich aber sagen, dass der Schiedsrichtertisch bei uns sehr genau hingesehen hat, gemessen daran, dass wir eigentlich mehr oder weniger ein Heimspiel hatten.»

Dementsprechend geht es an der Seitenlinie oft hitzig zu und her. Diskussionen zwischen dem Trainerstaff der Freiämter, dem Team am Schiedsrichtertisch, den Spielern und den beiden Unparteiischen kommen im Verlauf der Partie immer häufiger vor. Auf dem Feld behält Wohlen Mutschellen allerdings trotz der Umstände einen kühlen Kopf und lässt die Oltner nicht mehr ausgleichen.

Zwei Mannschaften, eine grosse Familie

Dass die SG Wohlen Mutschellen im Freiamt zu Hause ist, wird in der Murianer Bachmattenhalle dafür beim Support spürbar. 300 Zuschauer sind beim Final der Männer vor Ort. Ein grosser Teil davon feuert die Freiämter lautstark an – und beschwert sich nicht weniger laut über die zahlreichen Zwei-Minuten-Strafen, die das Spiel so lange offen halten. Darunter viele Spieler der zweiten Mannschaft. Seit dieser Saison arbeiten Handball Wohlen und der HC Mutschellen zusammen und stellen zwei Teams in der 2. Liga. Neben der SG Wohlen Mutschellen auch die SG Mutschellen Wohlen. «Wir trainieren zweimal die Woche gemeinsam und sind wie eine Familie. Ob zusammen Weihnachten feiern oder mal ein Bier trinken, wir unternehmen das immer alle miteinander. Der Teamspirit ist grossartig. Es ist wie eine riesige Mannschaft und das war im Final jetzt wieder spürbar.» Und dieser Teamgeist war es aus Sicht des Trainers auch, der geholfen hat, in der Finalpartie durchzubeissen und den Vorsprung nie aus den Händen zu geben.

Angriff auf die Aufstiegsspiele

Und jetzt kann das gemeinsame Projekt der beiden Vereine einen ersten grossen Erfolg feiern. Und das, obwohl Milosevic längst nicht mit allem zufrieden ist. «Unsere Leistungen schwanken noch oft. Wir zeigen gegen Aufstiegskandidaten hervorragende Leistungen und mühen uns anschliessend gegen deutlich schwächere Gegner zu knappen Siegen. Dementsprechend bin ich nur bedingt zufrieden. Es ist ein Auf und Ab. Die Lernkurve geht aber insgesamt nach oben. Wir sind auf dem richtigen Weg. Die Entwicklung ist sehr erfreulich.»

Das kann seine Mannschaft in einer Woche erneut beweisen. Dann stehen sich Wohlen Mutschellen und Olten II erneut gegenüber. Am Samstag, 22. März, 18 Uhr, sind die Solothurner auf der Burkertsmatt in Widen zu Gast. Behalten die Freiämter dann erneut die Oberhand, stehen sie definitiv in den Aufstiegsspielen. Die Rückkehr in die 1. Liga ist greifbar. Etwas, was der Trainer vor Saisonstart nicht versprechen konnte und wollte. «Für uns gab es nur ein Saisonziel, worauf wir uns fokussieren wollten. Das ist, gut Handball zu spielen. Über weite Strecken gelingt uns das jetzt. Aber wir sind Sportler. Wenn wir in einem Spiel antreten, dann, um zu gewinnen. Und wenn wir damit die Teilnahme an den Aufstiegsspielen klarmachen können, muss das das Ziel sein. Alles andere wäre nicht im Sinne des Sports.»

Den Aufstieg selbst nimmt der Trainerroutinier aber noch nicht in den Mund. «Der Fokus gilt jetzt dem nächsten Spiel. Das ist das letzte in der Ligaphase. Darauf konzentrieren wir uns und auf den Sieg dort. Alles andere kommt danach.» Milosevic ist aber zuversichtlich, dass seine Spieler gegen die Solothurner wieder erfolgreich sein können, wenn sie erneut so kämpferisch auftreten wie im Cupfinal. «Wenn wir wieder so viel Herz zeigen, bin ich sicher, dass wir auch eine gute Leistung abrufen können.»