Matchvorschau: HC Kriens vs. Eis
Wohlen hat zehn Endspiele
«Hoffen nicht auf einen Messias»
Handball, 1. Liga: Handball-Wohlen-Trainer Generoso Chechele vor dem Abstiegsrundenauftakt in Kriens (Sonntag, 14 Uhr)
14 Spiele, 14 Niederlagen, 0 Punkte und eine Tordifferenz von minus 141. So die bittere Bilanz von Handball Wohlen in der Hauptrunde. Zehn Spiele haben die Freiämter jetzt in der Abstiegsrunde Zeit, um den Klassenerhalt zu sichern. Trainer Generoso Chechele versucht optimistisch zu bleiben.
Wohler Anzeiger: Wie gross ist Ihre Freude auf den Abstiegsrundenstart?
Generoso Chechele: Ich würde es nicht Freude nennen. Es ist eher so, dass ich gespannt wird, wie das Ganze herauskommt.
Das klingt nicht gerade optimistisch.
Es würde auch nicht glaubwürdig erscheinen, wenn ich nach 14 Niederlagen in Serie so tun würde, als werde der Klassenerhalt ein Kinderspiel. Ich würde auch lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Vorbereitung optimal lief.
Erzählen Sie.
Ich will nicht alles auf Corona schieben. Aber die Situation mit der Pandemie hat uns schon zugesetzt. Mittlerweile erfüllt fast jeder im Team irgendwie die 2G+-Voraussetzungen.
Aber ohne 2G+ mussten wir mit Maske trainieren. Und zwar nicht nur die Spieler, welche diese Kriterien nicht erfüllen, sondern die ganze Mannschaft. Das hat auf die Moral gedrückt, auch die Trainingsbesuche beeinf lusst. Eine unserer grossen Stärken sollte auch über den sozialen Zusammenhalt kommen. Meine Vorstellung war, dass wir uns nach den Trainings und Spielen umarmen. Aktuell ist ja nicht mal ein Handshake wirklich möglich. Effizient konnten wir uns nicht vorbereiten. Ich bin mir sicher, dass es den anderen Teams nicht besser geht.
Wenn es anderen Teams genauso geht, ist das doch kein Nachteil für Wohlen?
Das schon. Aber wir hätten in dieser Zeit auf die anderen Mannschaften in mehreren Bereichen aufholen müssen.
Gibt es Verstärkungen im Team?
Tobias Estermann von Lägern/ Wettingen kommt zu uns. Ansonsten hat sich die Situation eher verschlechtert. Marco Von Ballmoos ist zurückgetreten, weil er die Polizeischule absolviert. Yannick Herzig und Milo Santini werden verletzt ausfallen. Stefan Burgherr wird zwei Spiele verpassen, weil er im WK ist und dort Ausgangsverbot herrscht. Dazu haben viele Spieler ihre Ferien so gelegt, dass sie sich nicht mit den Spielen überschneiden. Durch die Verschiebung des Spielplans haben wir da auch Absenzen. Adrian Studerus wäre zurückgekommen, um uns zu helfen. Er ist aber auch angeschlagen und momentan nicht verfügbar. Immerhin ist Flavio Galliker jetzt von Anfang an mit dabei. Das war in der Hauptrunde noch nicht so.
Gibt es gar keinen Grund, optimistisch zu sein?
Doch. Am Ende der Vorrunde haben wir die letzten drei Heimspiele mit je nur einem Tor Differenz verloren. Im Sommer hatten wir ein Testspiel gegen Mutschellen. Da hat uns der Zweitligist mit 15 Toren Differenz bezwungen. Jetzt haben wir wieder gegen Mutschellen gespielt. Es waren nur acht Feldspieler und zwei Goalies dabei. Trotzdem haben wir über zwei Drittel des Spiels geführt und am Ende nur mit zwei Toren Differenz verloren. Eine Entwicklung ist da. Nur fehlt uns immer noch ein Sieg. Und es ist klar, dass wir es mit unserem Team richten müssen. Es kommt kein Messias von aussen, um uns zu retten.
In der Abstiegsrunde trifft Wohlen erneut auf Olten und Kriens. Dazu kommen neu Bern II, Thun II und Visp. Ihre Meinung zu den Teams?
Olten ist aus meiner Sicht der Favorit. Wenn ich sehe, dass Thun II in ihrer Gruppe den 3. Platz geholt hat, werden sie mit Olten voraussichtlich vorne mitziehen. Kriens, Bern II und Visp sind Teams in unserer Reichweite. Die gilt es hinter sich zu lassen.
In der Hauptrunde gab es gegen Kriens zwei deutliche Niederlagen...
Ja, im ersten Spiel sind wir untergegangen (39:21 für Kriens, Anm. d. Red.). Aber die erste Hälfte der Hauptrunde rechne ich gar nicht mehr dazu. Die brauchten wir, um uns halbwegs einzuspielen. Im zweiten Spiel sah es besser aus (sieht das Ergebnis nach). Moment, das Spiel haben wir 24:31 verloren. Ich hatte im Kopf, dass das Resultat enger war. Da sehen Sie, wie schnell man nach so einer Hauptrunde zufrieden ist. Spass beiseite, ich hatte den Eindruck, dass wir spielerisch mithalten konnten. Es ist wahrscheinlicher, dass wir gegen Kriens punkten als gegen ein Olten. Und mit Visp und Bern II haben wir zwei Teams, die wir hinter uns lassen können.
Theoretisch würde ein Team reichen. Dann könnte man über die Barrage immer noch den Klassenerhalt schaffen?
Mir ist wohler, wenn wir den vierten Platz oder noch höher zu erreichen versuchen. In der Schule sollte man auch nicht nur für eine 4 lernen, auch wenn es ausreicht.
Ist der Ligaerhalt realistisch?
Ich weiss, dass sich viele meiner Aussagen so anhören, als hätte ich die Ausreden schon präventiv vorbereitet, falls wir abgeschlachtet werden. So ist es nicht. Wir haben 17 Mann im Kader und werden mit denen so lange um den Klassenerhalt kämpfen, wie es rechnerisch möglich ist. Nach den ersten drei, vier Spieltagen lässt sich beurteilen, wie konkurrenzfähig wir sind. Die Situation ist schwierig und drückt mir etwas aufs Gemüt. Wir geben aber sicher nicht auf.
Es braucht das nötige Glück
Handball-Wohlen-Präsident Martin Laubacher zum Abstiegsrundenstart
Zum Ende der Hauptrunde hat Martin Laubacher, Präsident von Handball Wohlen, die Präsenz der Spieler in den Trainings und Spielen kritisiert. Trotzdem glaubt er an den Klassenerhalt. «Die Trainingspräsenz hat sich gebessert, auch wenn sie noch nicht bei 100 Prozent ist», sagt Laubacher. «Aber das Team hat trainiert, auch mit Maske. Und wir haben Einzelgespräche geführt, um auf die Mannschaft einzuwirken.» Der Clubpräsident ist der Ansicht, dass Handball Wohlen genug Einheit ist, um den Klassenerhalt zu packen. «Das Team hat es bei den letzten drei Heimspielen ja bewiesen. Da fehlte jeweils nur noch das Glück zum Punktgewinn. Das wird es auch in der Abstiegsrunde brauchen. Mit Disziplin, Kampf, Fleiss und der nötigen Portion Glück bleiben wir in der Liga.»
Unterdessen ist nicht zu 100 Prozent sicher, ob der Auftakt in die Abstiegsrunde gegen den HC Kriens nicht doch noch verschoben werden muss. «Corona wühlt noch an allen Ecken und Enden. Das Spiel steht auf der Kippe», sagt Laubacher.
Gegen eine Woche mehr Vorbereitungszeit hätte man bei Handball Wohlen jedenfalls sicher nichts einzuwenden.
Quelle: Wohler Anzeiger, Josip Lasic