Matchvorschau: Freiämterderby
"Fertig Streichelzoo"
Handball, 1. Liga: Handball Wohlen – TV Muri (Samstag, 19 Uhr, Hofmatten)
Wohlen und Muri stecken beide in schwierigen Situationen. Das Freiämter Derby ist der Abschluss einer total missratenen Vorrunde für beide Teams. Während Wohlen seit über einem Jahr nicht mehr gewonnen hat, hallt die Trainerentlassung in Muri noch nach. Das Derby soll der Startschuss sein für eine bessere Zukunft.
Wohler Anzeiger, Stefan Sprenger
In Wohlen brennt der Handball-Tannenbaum. Die besinnliche Weihnachtszeit fällt in diesem Jahr – zumindest sportlich – aus. «Es wird eng mit dem Ligaerhalt», sagt Präsident Martin Laubacher. Die Gründe sind altbekannt: verletzte Spieler, wenig Erfahrung. Laubacher nennt noch ein weiteres Problem: «Die Spieler müssen sich nun Prioritäten setzen. Die Präsenzzeit bei Spielen und Training in Vergangenheit war schwach. Es muss ein Ruck durch die Mannschaft», so der 52-Jährige. Er spricht von «Mimosenfällen» im Team. Von Spielern, die lieber mal in den Ausgang gehen als ins Training. Oder von verletzten Spielern, die sich nicht mehr blicken lassen. «Auch wenn man nicht spielen kann, darf man sich mal in der Halle zeigen. Das ist ein Zeichen von Teamzugehörigkeit. Das ist wichtig.»
Während Handball Wohlen seit Oktober 2020 kein Spiel mehr gewonnen hat, konnte Muri in dieser Vorrunde immerhin zwei Mal gewinnen und ein Unentschieden holen. Doch auch die Murianer kämpfen mit Problemen.
Muri-Präsident Allemann: «Team hat sich stark entwickelt»
«Wir haben es uns anders erhofft», sagt Präsident Christoph Allemann. «Einige Resultate sprechen eine deutliche Sprache. Es ist und bleibt eine schwierige Saison.» Doch er sieht auch Lichtblicke. «Die Entwicklung einiger junger Spieler ist positiv, auch wenn es sich resultatemässig noch nicht zeigt.» Die letzten beiden Spiele gingen deutlich und mit schwachen Leistungen verloren. Weder gegen Muotathal (20:34) noch gegen Olten (24:32) war man in Reichweite des Gegners. Ende Oktober hat der TV Muri seinen langjährigen (und beliebten) Trainer Claude Bruggmann entlassen. Ein Effekt durch diesen Wechsel (auf Paul Stöckli) blieb weitestgehend aus. Oder? «Das würde ich so nicht sagen. Das Team hat sich stark entwickelt. Nur sind die Resultate leider viel zu sprunghaft.» Auf die Frage, ob der Trainerwechsel ein Fehler war, antwortet Allemann: «Wir müssen weiter konsequent arbeiten. Es ist noch ein weiter Weg für diese Mannschaft, aber wir sehen eine Entwicklung.»
Die Trainerentlassung von Bruggmann vor rund fünf Wochen ist in Handballkreisen nach wie vor ein Thema. Sie kam überraschend und war für viele unverständlich. Paul Stöckli war damals Bruggmanns Co-Trainer. Gleichzeitig sass er als sportlicher Leiter des TV Muri im Gremium, das über den Rausschmiss von Bruggmann entschied. Und Stöckli wurde danach der neue Cheftrainer. Der 47-Jährige sagt: «Als sportlicher Leiter hatte ich eigentlich einen anderen Plan mit Claude Bruggmann. Aber das wurde abgelehnt. Die Entlassung war ein Entscheid von vielen Leuten.» Es ist zu spüren, dass Stöckli wohl eher an Bruggmann festgehalten hätte. «Ich war eher auf der neutralen Seite. Bruggmann mitten in der Saison zu entlassen, war vielleicht nicht ganz glücklich.» Auch, weil Bruggmann «ein toller, ruhiger, aufgestellter, vorausdenkender und positiver Typ war. Ich war sehr gerne sein Co-Trainer.» Und Bruggmann hatte es – genau wie Stöckli jetzt – nicht einfach wegen den vielen verletzten Spielern. «Irgendwie will es nicht so recht in dieser Saison», sagt Stöckli.
«Ich erwarte einen Sieg»
Zurück zu Wohlen: Trotz siegloser Qualifikationsphase gibt es Lichtblicke in Form einer feinen, aber positiven Entwicklung. Und es gibt auch gute Leistungen. Beispielsweise vor rund 10 Tagen, als man Leader Dagmersellen an den Rand einer Niederlage brachte. Die Personalsituation der jungen Mannschaft wird aber in Zukunft kaum besser. Im Gegenteil. Sie werden in der Abstiegsrunde mit grosser Wahrscheinlichkeit Marco von Ballmoos verlieren, der sich beruflich weiterbildet. Ein junger Spieler, der sich am Kreis und in der Abwehr zu einem Leistungsträger entwickelte.
Für Präsident Laubacher ein weiterer Rückschlag. Aber: «Das Team muss Klasse zeigen für den Klassenerhalt. Im Derby soll der Grundstein gelegt werden für die Abstiegsrunde im Januar. Ich erwarte einen Sieg. Es wird Zeit. Es ist jetzt fertig mit Streichelzoo.» Im Januar startet die Abstiegsrunde. Vermutlich ohne Freiämter Derbys. Nur bei einem Sieg (und gleichzeitig einer Niederlage von Kriens) könnte es sein, dass Wohlen und Muri in die gleiche Gruppe kommen. Egal, gegen welche Teams es im neuen Jahr geht: Für Wohlen und Muri geht es ums nackte Überleben in der 1. Liga. «Es wird keine einfache Abstiegsrunde», sagt Stöckli – und dies sagt auch Laubacher. Doch beide sind auch zuversichtlich. Man hofft das Beste.
Und natürlich wollen beide das Freiämter Derby am Samstag in der Hofmattenhalle gewinnen. Für die Moral wäre es Gold wert. Es geht ums Prestige. Und wie immer um die Krone, wer die Nummer 1 im Freiamt ist. Muri-Trainer Paul Stöckli meint: «Wohlen ist aktuell resultatmässig besser im Schuss als wir. Aber natürlich wollen wir dieses Spiel unbedingt gewinnen.»
«Es geht um die Ehre»
Laubacher sagt: «Es geht um das Derby. Auch wenn es sportlich um nicht mehr viel geht, so geht es um die Ehre. Das ist fast wichtiger.» Für beide Teams soll das Derby der Startschuss sein in eine erfolgreichere Zeit. Und beide Lager sind gespannt wie ein Pfeilbogen vor diesem Duell. Das zeigt die Aussage von Wohlen-Captain Manuel Frey: «Es geht gegen Muri. Da will man immer gewinnen. Und da ist es egal, ob es ein Trainingsspiel ist oder der WM-Final.»