Matchvorschau: Eis vs. HC Kriens
Ein Mann, viele Qualitäten
In Bremgarten kennt man ihn aus dem Kuzeb, in Zürich als Berufsschullehrer und in Wohlen als Kreisläufer im Handballteam. Mit Tobias Estermann hat sich Handball Wohlen eine spannende Persönlichkeit für den Kampf gegen den Abstieg ins Team geholt. --jl
Der Kuzeb-Kreisläufer
Handball, 1. Liga, Abstiegsrunde: Tobias Estermann vor Wohlen – Kriens (Sa, 17.45 Uhr, Hofmatten)
Mit dem in Bremgarten wohnhaften Tobias Estermann hat Handball Wohlen seit der Winterpause einen neuen Kreisläufer. Privat ist der 31-Jährige enorm vielseitig. Im Handball bringt er einiges mit, was Wohlen im Abstiegskampf benötigt.
Wohler Anzeiger Josip Lasic
Bühnenbauer, Schweizer Meister im Grossfeld-Handball, Berufsschullehrer, Teil einer Handball-Familie, Teil vom Kuzeb-Kollektiv, Unternehmer, Spieler von Handball Wohlen. Tobias Estermann lässt sich nicht einfach in irgendeine Schublade packen. Der 31-jährige Kreisläufer ist zur Abstiegsrunde zu Handball Wohlen gestossen. Nachdem er ein Leben lang für Lägern Wettingen gespielt hatte, konnte er sich bereits gut bei den Wohlern integrieren. «Das Team hat sehr viel Potenzial. Es gibt aber einige Baustellen, die uns das Leben schwer machen.»
Eine der Baustellen sollte durch den Zugang von Estermann geschlossen werden. Loris Faiss, der Kreisläufer der Wohler, hat Schulterprobleme, die ihm das Spiel auf dieser Position erschweren. «Die Idee ist, dass ich am Kreis spiele und er auf eine Rückraumposition ausweichen kann. Er spielt auf beiden Positionen sehr gut», erklärt der in Bremgarten wohnhafte Handballer. Der Kontakt kam über Wohlen-Goalie Remo Hofmann zustande. Estermanns Unternehmen dz Messebau GmbH hat den Bühnenbau für die Open Airs Zamba Loca und Stoppelfäld übernommen, wo Hofmann als Mitglied des Vereins für Kultur Wohlen beteiligt ist. «Er hat mich mehrfach angefragt, ob ich komme, um sie auf dem Kreis zu unterstützen, und da bin ich.»
Eine Handball-Familie durch und durch
Nicht selbstverständlich. Denn der Kreisläufer, der in Wettingen aufgewachsen ist, hat nie zuvor bei einem anderen Club als Lägern Wettingen gespielt. Mit ihm konnte er schon drei Saisons Erfahrung in der 1. Liga sammeln. In den letzten zwei Jahren wurde er mit dem Club Schweizer Meister im Grossfeld-Handball. Die erste Mannschaft der Wettinger spielt aktuell nur noch in der 3. Liga. «Da ist mir das Niveau doch etwas zu tief. Ich wollte eine neue Herausforderung und muss sagen, dass ich bislang gut in der 1. Liga mithalten kann.»
Dabei erscheint Estermann auf den ersten Blick nicht wie der typische Sportler. Er engagiert sich stark im Kulturzentrum Bremgarten, besser bekannt als «Kuzeb». Er veranstaltet dort unter anderem Konzerte und nutzt die Werkstatt für seinen Bühnenbau. «Meiner Mutter war es allerdings wichtig, dass ich auch Leute ausserhalb meiner ‹Kuzeb›- und Politik-Blase kennenlerne und auch einen anderen Blick auf die Welt habe. Dafür bin ich auch sehr dankbar», erklärt er. Estermann stammt auch aus einer Handballerfamilie. Sowohl sein Vater als auch seine Mutter haben auf Erstliga-Niveau gespielt. Zwei seiner Schwestern haben sogar Nationalliga-A-Erfahrung. Die 29-jährige Ria Estermann spielt nach wie vor in der NLA bei LK Zug, die 33-jährige Eliane Estermann ist in der 1. Liga bei der SG ATV/KV Basel aktiv.
Fleissiger Trainingsbesucher
Neben seiner Tätigkeit als Bühnenbauer arbeitet Estermann, der an der Universität Zürich Politikwissenschaft und Geschichte studiert hat, auch in Zürich als Berufsschullehrer. Trotzdem versucht er in allen Trainings und an allen Spielen der Wohler dabei zu sein. «Zwei von drei Trainings müssen drinliegen, wenn man in der 1. Liga mithalten will», sagt der Kreisläufer.
Die Trainings- und Spielbesuche hat Präsident Martin Laubacher vor der Abstiegsrunde schon als einen der Gründe für die Wohler Krise angeprangert. Estermann geht nicht so harsch in die Kritik mit dem Team. Trotzdem fällt sein Fazit ähnlich aus. «Wir haben viele Spieler, die Erst liga-Niveau haben, und einige, die noch nicht so weit sind. Einige junge Spieler brauchen noch ein bis zwei Jahre. Wichtig ist aber, das wir möglichst viele an den Spielen sind und auch ein Grossteil derjenigen Spieler, die schon bewiesen haben, dass sie in der 1. Liga mithalten können.» Als Beispiel, wie es nicht laufen sollte, führt er das Spiel in Bern an. «Wir führen bis zehn Minuten vor Schluss. Es waren aber zu wenige Leute dabei, die dieses Tempo über 60Minuten mitgehen können. Wir sind am Ende konditionell eingebrochen und haben noch 24:31 verloren.»
Kann sich vorstellen, zu bleiben
Den Klassenerhalt traut Estermann den Wohlern noch zu, wenn sie in den nächsten Spielen möglichst in Vollbesetzung antreten können. «Da wird schon die Partie morgen Samstag gegen Kriens wichtig. Ich mache schon fleissig Werbung, damit möglichst viele Zuschauer kommen.»
Selbst wenn es mit dem Klassenerhalt nicht klappen sollte, kann sich der Kreisläufer vorstellen, bei Handball Wohlen zu bleiben. «Ich hoffe bloss, dass die Mannschaft nicht auseinanderfällt. Dann müsste ich mir überlegen, zu meinen alten Kollegen bei Wettingen zurückzugehen. Aber wenn der Kern bleibt, mit Spielern wie Manuel Frey, Flavio Galliker, Dennis Horn, Remo Hofmann und noch einigen anderen, würde ich sehr gern weiterhin in Wohlen spielen.»